Macht keine Imagefilme mehr

Wann hast du zuletzt einen Imagefilm gesehen? Und fandest du ihn gut? Wenn du jetzt denkst: „Nein“ oder „Eher nicht“, dann gehörst du wohl zur schweigenden Mehrheit. Hier sind die Gründe, warum ihr heutzutage lieber auf andere Bewegtbildformate setzen solltet.

Natürlich gibt es auch ein paar sehr gute Imagefilme, doch bei geschätzt 98 von 100 Imagefilmen gibt es leider die immer gleichen Grundprobleme. Ziemlich selten wird hinterfragt, ob man dieses 90er-Jahre-Relikt „Imagefilm“ wirklich braucht. Für wen wird dieser Film gemacht und erreicht man diese Bezugsgruppe so auf die beste Weise? Schauen Besucher im Messegetümmel wirklich einen mehrminütigen Imagefilm an? Ist der Imagefilm, sofern er auf der Firmenhomepage vom Nutzer gefunden wird, so interessant, dass er ihn anschaut? Ist es wirklich klug, bei Firmenbesuchen oder in Verkaufsgesprächen die Menschen zum „gucken zu zwingen“? Menschen meiden Werbung, also auch solche Filme, in denen sich Unternehmen metaphorisch selbst auf die Schulter klopfen.

Selbst die besseren Imagefilme, die es von Beginn an schaffen, Storytelling umzusetzen – leider ist es viel zu oft vorgetäuschtes Storytelling –, einen emotionalen Zugang zur Bezugsgruppe zu schaffen und unterhaltend sind, kommen früher oder später an den selbstreferenziellen Punkt: wie toll das Produkt doch ist, wie nachhaltig die Prozesse sind und prinzipiell kriegt alles den Stempel „innovativ“ aufgedrückt. Spätestens dort stellt sich beim Zuschauer die Ernüchterung oder – schlimmer – die Enttäuschung ein. Denn virtuelle Rundgänge, Erklärung von Prozessen der Produkterstellung oder Dienstleistung interessieren nicht. Das „Was“ oder „Wie“ ist nicht entscheidend, das „Warum“ zählt.

Kameradrohne DJI Phantom. Foto: Florian Pircher, Pixabay, CC0 1.0
Foto: Florian Pircher, Quelle: Pixabay, lizensiert unter CC0 1.0

Früher waren diese Filme oft sogar 30 Minuten lang, heute sind sie aber selbst mit vier bis sieben Minuten deutlich zu lang. Gerne wird dann noch Musik aus der Konserve eingesetzt (Flimmerbeats mit billigen Synthie-Klängen oder einfach irgendwas mit Streicher und Klavier, was ja scheinbar „immer geht“). Viel zu oft stehen Maschinen oder Produkte im Vordergrund. Menschen tauchen nicht auf und wenn, dann aus falschen Gründen. Sätze wie „Wir lassen echte Mitarbeiter sprechen, das ist authentisch“ haben wir doch alle schonmal gehört. Das trifft leider immer öfter nicht zu. Und selbst wenn Mitarbeiter nicht zu Wort kommen, so wirken die Szenen oft sehr gestellt und gezwungen. Passend zum (vorgetäuschten) Storytelling kommen dann noch der bedeutungsschwangere Sprecher und die bombastischsten Bilder – mindestens Drohnenaufnahmen. Nicht, weil sie filmisch begründet sind, sondern weil die Konkurrenz auch sowas hat. Imagefilme sind somit auch immer austauschbarer geworden.

tl;dr

Imagefilme sind ein Relikt aus vergangenen Tagen und tragen aufgrund ihrer werblichen Art in der heutigen Zeit nicht mehr wirklich zur Imagebildung bei. Es werden immer wieder drei große Fehler gemacht: Es wird nicht hinterfragt, warum ein Imagefilm überhaupt nötig ist, wer angesprochen werden soll und ob das überhaupt damit gelingen kann. Selbst bei Vortäuschung von Storytelling bleibt der werbliche, selbstreferenzielle Ansatz des Imagefilms bestehen. Inhalt und Umsetzung entsprechen oft Schema F, sind austauschbar und überzeugen nicht. Selbst die filmische High-End-Umsetzung kann nicht rausreißen, was inhaltlich-konzeptionell schief läuft.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.